Eine Person, die sehr verzeifelt aussieht, nimmt an einem Therapiegespräch teil.

Folterfolgen besser erkennen

Projekt verbessert Versorgung von Asylsuchenden nach Foltererfahrung

Viele Menschen, die in Deutschland Asyl suchen, haben in ihrem Heimatland oder auf der Flucht Foltererfahrung gemacht. Um ihre Versorgung zu verbessern, gibt es das Projekt „InTo Justice – Interdisciplinary Documentation and Holistic Rehabilitation of Torture“, das gemeinsam mit verschiedenen Partner*innen von der Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum (MFH), Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW, durchgeführt wird. Es hat einen interdisziplinären Ansatz, um Asylsuchende ganzheitlich zu betreuen, und richtet sich an Menschen, die in Asylverfahren involviert sind.

Aufklärung über Standards der Sachverhaltsklärung

Gemeinsam mit den fünf Projektpartnern hat die MFH mit dem aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU kofinanzierten Projekt das Ziel, zunächst in NRW und Hessen die Situation von Asylsuchenden mit Foltererfahrung zu verbessern. Das wollen sie erreichen, indem sie über Standards der Sachverhaltsklärung aufklären, damit Folterfolgen besser erkannt werden. Denn Folter gilt als einer der Gründe, weshalb Asylsuchende subsidiär schutzberechtigt sind.

Die Projektpartner*innen von „InTo Justice“ sind, neben dem international anerkannten Therapiezentrum der MFH, das Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf, das Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Gießen, das Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge Düsseldorf, die Ambulanz für transkulturelle Psychosomatische Medizin und Psychotherapie – LVR-Klinikum Düsseldorf und die Bundesarbeitsgemeinschaft Psychosozialer Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer. In Kooperation setzen sie innerhalb des Projektzeitraums von zwei Jahren auf mehreren Ebenen verschiedene Maßnahmen um.

Schulungen und interdisziplinäres Case Management

Es werden Schulungen angeboten, die sich an Fachkräfte in Flüchtlingsunterkünften, Primärversorgende, Sozialarbeiter*innen und Mitarbeiter*innen in Behörden richten. Sie werden dadurch bei der Identifikation von Folterüberlebenden unterstützt. Für Asylsuchende mit Foltererfahrung bieten die Projektpartner*innen ein interdisziplinäres Case Management an. Dabei wird der Bedarf für eine interdisziplinäre Sachverhaltsklärung der Folterfolgen nach dem von den Vereinten Nationen herausgegebene Handbuch für die wirksame Untersuchung und Dokumentation von Folter (Istanbul-Protokoll) geklärt. Die Projektpartner*innen initiieren anschließend die Vermittlung zu Versorgungs- und Rehabilitationsangeboten. Während des gesamten Prozesses der Sachverhaltsaufklärung begleiten die Case Manager*innen die Betroffenen.

Herstellung von nachhaltigen Strukturen

Eine mittel- und langfristige Verbesserung der Situation der Asylsuchenden soll durch die Etablierung einheitlicher Standards bei der Dokumentation von Folterfolgen im Sinne des Istanbul-Protokolls erreicht werden. Hierzu werden fachspezifische und interdisziplinäre Weiterbildungen und Qualifizierungen zu psychodiagnostischen, therapeutischen, medizinischen und psychosozialen Fragestellungen angeboten. Um notwendige und nachhaltige Strukturen zu schaffen, werden darüber hinaus ein medizinisches Ausbildungscurriculum sowie eine Erweiterung der rechtsmedizinischen Empfehlungen zur Dokumentation von Gewaltfolgen mit Blick auf die speziellen Aspekte von Folter entwickelt. Die strukturellen Aktivitäten im Rahmen des InTo Justice-Projektes werden durch die Einbeziehung juristischer Expert*innen weiter konsolidiert.

 

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